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Die Mystik des Menschen

-Der Versuch einer rationalen Spiritualität-


Abstract

  1. Mystik

  2. Mystik?

  3. Mystik!

Abstract



In dem vorliegenden Text geht es um die Mystik in ihrem ausschließlich populären und wörtlichen Sinn (vom lateinischen mysticus: unbeschreiblich, unaussprechlich, geheimnisvoll) als das Unerfassbare, das Unerklärbare, das Irrationale und Überreale, nicht in ihrem theologischen Sinn als: „'Mys·tik, die; schwärmerische, ekstatische Form der Religiosität, die durch Hingabe und Versenkung eine Vereinigung mit Gott anstrebt“ (aus: Langenscheidt Fremdwörterbuch). Und es geht um Menschen.. Und um die Beziehung zwischen beiden. Der Titel lässt mehrere Lesarten zu: Zum Einen ist da der Begriff Mystik des Menschen, seine Einstellung zu etwas Mystischem. Zum Anderen ist der Mensch selbst mystisch.

Ich werde mich beidem widmen, doch liegt mein Ziel darin, Gründe aufzuzeigen warum der Mensch nicht mystisch ist bzw. wieso es keine Notwendigkeit der Mystik gibt und diese ein überkommenes Konzept darstellt. Es werden sich Gegensätze herauskristallisieren, die auch von anderen Begriffspaarungen hinreichend bekannt sind (heilig-profan; übernatülich-natürlich; rational-irrational).

Das Credo „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ wird von vielen Menschen geteilt und als tröstlich empfunden. Eine reduktionistische und empirische Weltanschauung wird hingegen oft als kalt, unbefriedigend und nihilistisch gesehen. Ich werde mich also auch bemühen, Aspekte einer tiefgreifend unmystischen Sicht auf unsere Welt aufzuzeigen, die uns ein ebenso großes Gefühl von Geborgenheit vermitteln können – eine Art unmystische Mystik oder Spiritualität.


I. Mystik



Am Anfang war die Mystik – und nicht vorher. Das ist zunächst eine fast triviale Feststellung, so wird niemand leugnen (auch wenn es nicht beweisbar ist), dass der Mensch am Beginn seiner Menschwerdung, sobald er Begriffe und die Muße hatte, diese mit seiner nicht mehr direkt und sinnlich erfassbaren Umwelt in Beziehung zu setzen, d. h. sobald Begriffe untereinander logische Netze bildeten, auf sich selbst verwiesen und abstrakt wurden, viele Begebenheit/Gegebenheiten der realen Welt und besonders die Zusammenhänge zwischen ihnen keine adäquate Entsprechung in der begrifflichen Welt, und damit im Geist des Menschen fanden. Dies ist der Ursprung der Mystik.

Vorallem auf dieser Stufe stellt die Mystik allerdings nicht ausschließlich eine begriffliche „black box“ dar. Das würde die relativ genaue Kenntnis der Beziehung von Ursache und Wirkung voraussetzen, die abschließend nur nicht begrifflich abgebildet werden kann. Vielmehr scheint es so, dass es zu erheblichen Irrtümern kommen kann, sobald man Menschen mit einem unvollkommenen Begriffsystem einer komplexen Umgebung aussetzt. Der Mensch sucht „automatisch“ nach kausalen Zusammenhängen und Regelmäßigkeiten, was zu Fehleinschätzungen bezüglich Korrelation/Kausalität führt und somit Aberglaube bedingt (Als Beispiel seien Regentänze einiger Kulturen genannt). Diese Unterscheidung zwischen Mystik und Aberglaube ist wichtig, da es im Folgenden ausschließlich um Mystik und nicht um den schon konventionell weitestgehend (rational) abgelehnten Aberglauben geht.

Im Lauf der Geschichte der Kultur hat sich nun gezeigt, dass die Entwicklung tendenziell in Richtung Kongruenz von Begriffssystem und Welt geht, was automatisch mit einer Reduktion der mystischen Dimension im menschlichen Denken einhergeht. Warum der Mensch das Bestreben zu einem möglichst wahrheitsgetreuen Bild seiner Umwelt zu haben scheint, können wir nur vermuten. Es sei dahin gestellt, ob es sich um evolutionäre, sozio-kulturelle oder bewusstseinsimmanente Gründe handelt.

Wir stehen, so sagen viele, an einem Punkt dieser Entwicklung, an dem die „klassische“ Mystik ebensowenig Daseinsberechtigung hat wie der Aberglaube. Diese Aussage ist insofern falsch, als dass sie letztendlich nichts als eine Extrapolation der Vergangenheit darstellt, doch solange der Mensch Mensch ist und nicht über- oder unbewusster Teil der Realität, hat seine Erkenntnisfähigkeit Grenzen, die nicht zuletzt auch durch seine Biologie determiniert sind und die sich zwar verrücken, nicht aber aufheben lassen. Wer sich dessen nicht bewusst ist und naiv auf die Allmacht der Wissenschaft setzt, wird die Mystik ganz außerhalb der Welt und damit außerhalb des Begrifflichen ansiedeln. Damit entzieht er sie selbstverständlich der Diskussion ebenso wie einer Grundlage. Denn: Ein ein begriffliches Bewusstsein ist (a.) die Summe seiner Begriffe und hat (b.) einen Begriff für das Unbegriffliche (sic), d. h. etwas un- oder außerbegriffliches (außer-reales) ist nicht nur nicht denkbar sondern auch nicht existent. Ein gedanklicher Prozess ad infinitum...

Unabhängig von diesem „außerweltlichen“ Konzept der Mystik, das jeglicher Diskussionsgrundlage entbehrt, existiert eine Fortführung der bereits erwähnten „klassischen“ Mystik, die ich die „moderne“ Mystik nennen möchte. Sie sagt: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“. Hier beginnt die Mystik also dort, wo die Grenzen des Menschen und seines bisher real-wahren Begriffssystem liegen und endet dort, wo die Grenzen der Realität verlaufen. Sie postuliert ergo einen Bereich innerhalb des Universums, der grundsätzlich und nicht nur dem Menschen unfassbar ist, nicht den „allgemeinegültigen Gesetzen“ unterworfen ist.

Von diesem Bereich und einer alternativen Sichtweise auf ihn ist im folgenden Abschnitt die Rede.

II. Mystik?



Um erstens die Richtung aus der wir die Aufhebung der „modernen“ Mystik angehen zu verdeutlichen und um zweitens die Rolle der Begriffe in diesem Kontext zu erläutern gehe ich exemplarisch vor. Titel des Bildes: Der Mensch als Haufen.

Ein alter Vertreter seiner Art ist das Paradoxon des Haufens. Es geht bis auf Zenon von Elea zurück (um 450 v. Chr.). Der Kern: Wie viele Körner muss ich zu einem Einzelnen hinzugeben, bis ich einen Haufen habe?

Die Auflösung ist recht simpel: Es gibt keine HAUFEN, sondern nur eine so große Zahl an Körnern, dass der Mensch sie nicht mehr als einzelne Elemente wahrnimmt, sondern sie mit einem neuen Begriff verbindet, der sie als ein neues einzelnes Element bezeichnet: Ein Haufen ist geboren.

Diese Betrachtungsweise lässt sich, wie sich zeigen wird, auf eine aktuelle ethische Fragestellung der embryonalen Stammzellenforschung übertragen: Ab wann ist der wachsende Zellhaufen im Mutterleib oder in der Petrischale ein Mensch?

Die Antwort kann man sich nun aussuchen: Entweder war er es schon immer oder er wird es nie sein, denn es existiert keine Grenze, es gibt nur Bereiche in denen die Komplexität so groß ist, dass für uns das Zusammenspiel der Elemente nicht mehr nachvollziehbar ist – ein Mensch ist „geboren“.

Emergenz und ähnliche Phänomene eines komplexen Systems sind bei dieser Überlegung irrelevant – auch wenn sie den Unterscheid zwischen Haufen und Mensch bedeuten -, denn sie resultieren aus den Beziehung zwischen den einzelnen Elementen des Systems und deren Beziehungen und somit mehr oder weniger direkt, jedenfalls auschließlich, aus den Eigenschaften der einzelnen Teile.

Sobald wir all dies annehmen, rauben wir der „modernen“ Mystik ihre Domäne. Um es mathematisch zu sagen: Das Ganze ist tatsächlich mehr als die Summe seiner Teile, aber es ist nicht mehr als ihr Produkt. Dass wir das Resultat als so unabhängig von seinen Teilen betrachten, liegt schlicht daran, dass es unseren epistemologischen Horizont übersteigt und wir es erneut als ein „Teil“ betrachten und nicht mehr als ein Zusammenwirken, so dass dieses eine Teil nun mystisch erscheint (z. B. der Mensch). Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass sich dieses Phänomen nicht nur auf dieser Komplexitätseben abspielt. Ebenso spielt es bei der Interaktion bereits komplexer Strukturen (Menschen) und auch auf niedrigeren Ebenen (auf denen wir allerdings auch schon die Teile vereinfachen, siehe Chemie) eine Rolle. Notwendigerweise sind die menschengemachten Begriffssysteme/Abbildungen dieser Prozesse von einer bestimmten Qualität und werden somit, je höher der Grad der Komplexität ist, unpräziser. Ab dem Punkt, der die Grenze zur (bisherigen?) totalen Nicht-Erkenntnis darstellt, greift die „moderne“ Mystik – oder die Erkenntnis der Disparität ziwschen Realität und Idee. Es ist mir bis hierhin hoffentlich gelungen, ersteres durch letzteres zu ersetzen.

III. Mystik!


Mystik hat nicht ausschließlich etwas mit der begrenzten Erkenntnisfähigkeit des Menschen zu tun, sondern, wie bereits in der Einleitung angedeutet, auch mit Spiritualität und Trost.

Ein komplett logisches und rationales Weltbild lässt diese Dimension oft vermissen und vergisst dabei, dass wir Menschen sind und es auch trotz Erkenntnis bleiben (werden). Die Notwendigkeit einer Ethik bleibt bestehen. Das Essay trägt den Untertitel „Der Versuch einer rationalen Spiritualität“ und dem wäre nicht genüge getan wenn ich auf elegante Weise dem Menschen den spirituellen Boden unter den Füßen wegziehen würde. Das Potenzial zu einer mächtigeren Spiritualität als es die „moderne“ Mystik bieten kann ist jedenfalls gegeben, denn der Ansatz ersetzt nicht nur die bisherige Mystik, sondern lässt sich auch mit dem bisher genauesten Modell unserer Wirklichkeit vereinen, d. h. er würde nicht durch die fortschreitende Erkenntnis der Welt zurückgedrängt, sondern gestützt. Wo also liegt die Spiritualität bzw. die eingangs erwähnte nicht-mystische Mystik? Ich sehe hier, unabhängig von der potenziellen intuitiven Akzeptanz, einige Möglichkeiten.

Zum Einen bedeutet der Ansatz, dass wir selbst – jeder einzelne – so komplexe Ganzheiten sind (wenn man sich nicht von der Korn- sondern von der Haufenseite nähert), dass wir sie nicht verstehen. Zum anderen aber sind diese Ganzheiten (von der Kornseite) selbst Teile eines größeren Ganzen und zugleich bestehen sie selbst in mehrfacher Schichtung aus kleineren Teilen. Man könnte es für ein Wunder halten. Und, um mit Lessing zu sprechen, dieses Wunder ist umso wunderbarer, als dass es nicht mystisch bzw. übernatürlich ist.

Wo liegt das Wunderbare und Beeindruckende wenn irgendeine Macht quasi willkürlich die Komplexität erschafft? So hätte man Respekt vor dieser Macht, aber nicht direkt vor dem Universum und dem Leben. Viel Leid ist aus diesen falsch gewählten Prioritäten erwachsen.

Das Wunder ist es, dass im Kleinsten das Größte liegt, dass aus dem Einfachen das Komplizierte entsteht.

Das Wunder des Universums ist es, dass alles seinen Platz hat. Und zwar nicht von einem Bewusstsein erteilt, sondern in der Sache selbst liegend.


1.5.07 17:55


Das Klischee

 

 

Alabasterne Brüste

Herrlich beschienen vom Mond

An einer Meeresküste

Wo die Liebe wohnt.

10.5.07 22:13





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