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ÜBER DIE ZUVERLÄSSIGKEIT.


Sterne ziehen zuverlässig ihre Bahnen über den Himmel.

Das faszinierte ihn, hatte ihn schon immer fasziniert, schon als er noch nicht mal die entsprechenden Worte kannte. Und das war recht spät, seine Eltern gingen deswegen sogar zu einem Psychologen mit ihm: der sagte etwas von "grenzautistisch", "einseitig begabt" und weiteres, das der Knirps nicht verstand und das ihn auch nicht interessierte. Ihn interessierte nur der Himmel.

In einem Alter, in dem die Anderen Sandburgen bauten, kannte er die Namen der Sternbilder, und als er in der Grundschule erfuhr, dass sich die Erde um sich selbst dreht und dass die Drehung der Sterne eine Illusion ist, war er erschüttert und tagelang nicht ansprechbar (Das fiel allerdingxs nicht weiter auf). Der Sturz seines kindlichen Weltbildes hatte tiefgreifende Folgen: er begann seine Wahrnehmung zu hinterfragen, und bald, als die Anderen anfingen sich Briefchen zu schreiben und in der Pause ernsthaft rumzuknutschen, konnte er sich endlich wieder auf die Welt verlassen. Er konnte Schleifenbahnen nachvollziehen, wusste um Parallaxen, hatte den Sinn und Unsinn von Epizykeln begriffen, selbst die Relativitätstheorie glaubte er schließlich verstanden zu haben. Er wurde erfolgreich in der Schule: ein Wunderkind nannte man ihn, die Eltern waren immerhin stolz, wenn auch nicht mehr, die Anderen schauten nicht mehr nur spöttisch auf diesen Sonderling herab, sie respektierten ihn auf die eine oder andere Weise.

Ihm war das egal. Wohl fühlte er sich so oder so nicht in der Gemeinschaft, die Anderen waren ihm suspekt, sie handelten häufig unlogisch und zumeist grundlos. Später, an der Universität, hatte er keinen tiefergehenden Kontakt mit seinen Kommilitonen, sie sollten sich nur an einen exzellenten Studenten mit einer ans Absurde grenzenden Abneigung gegen Quantenmechanik erinnern. Nach seiner Promotion wurde er direkt in einem renommierten Observatorium angestellt. Dort lernte er auch seine Frau kennen: Ein vielschichtiges Verhältnis hatten sie, beide merkten es nicht.

Sie war älter als er, und man kann nicht behaupten, dass er sie liebte. Ihm gefiel ihre nüchterne und kühle Art, er fühlte sich ein Stück weit verstanden, er fand es angenehm seinen Kopf in ihrem Schoß zu betten und alle Verantwortung für sich aufzugeben. Sie bewunderte ihn, seine Intelligenz, eiferte ihm nach und fühlte sich durch seine Abhängigkeit geschmeichelt. Es bleibt festzuhalten, dass sie keinerlei sexuellen Ehrgeiz entwickelten. Doch beide teilten die Obsession der harten Physik.

Und scheiterten trotzdem.

An jenem schicksalsträchtigen Abend, es war ein Freitag, saß er noch spät im Rechenzentrum und arbeitete. Er galt als der zuverlässigste Mitarbeiter der Sternwarte, alles erledigte er pünktlich und korrekt. Das war reine Illusion. Mit dem Observatorium verband ihn nichts, es war nur ein Instrument seiner Besessenheit.

Er war inzwischen allein, selbst die engagiertesten Praktikanten stürzten sich voller Lebensdurst ins Wochenende, fünf Tage angefüllt mit Formeln reichten den Meisten um zu erkennen, dass die Wissenschaft nicht alle ihre Bedürfnisse befriedigte. So wie sie Sinn-Maschinen waren, zugleich sinnlich und sinnvoll, war er eine Logik-Maschine, hatte mal einer der Praktikanten gesagt, der sein Studium allerdings auch bald abbrechen und nicht weit kommen würde in seinem kurzen Leben. Er irrte: Die "Logik-Maschine" war nur ein ungewöhnlicher Mensch, nicht gefeit vor den Übeln des menschlichen Lebens: Er war wütend und verwirrt. Normalerweise wäre auch er nach Hause gegangen, doch von seiner Verwirrung konnte er sich am besten mit Arbeit ablenken. Seine Frau hatte ihn verlassen. Das hatte ihn ziemlich überrascht, er hatte sich in der Hinsicht wohl zu sehr auf seine Gewohnheit verlassen. In der E-Mail, die er am Nachmittag empfangen hatte, standen äußerst merkwürdige Dinge: Ihre Kinder, Zwillinge, Contergan-Kinder, die sie damals, als sie vierzehn war, auf Drängen ihrer Eltern abgegeben hatte, hatten sie kontaktiert. Der Vater hatte sich nach der Geburt aus dem Staub gemacht, danach hatte sie keinen Mann mehr bis zu ihrem Astronomen. Sie meinte, die Nachricht von ihren Kindern hätte viel in ihr aufgewühlt und es sei ihr klargeworden, dass einiges in ihrem Leben schiefgelaufen wäre, sie wolle nun endlich eine zuverlässige und liebende Mutter werden und ihren Kindern aus einer prekären Situation helfen, auch mit einem Vierteljahrhundert Verspätung, er wäre dabei ein notwendiges Opfer, ein Stück Vergangenheit, mit dem sie abschließen müsse, ein Mahnmal ihrer verdrängten Gefühle...

Er konnte das nicht nachvollziehen, und ihm lag auch nichts daran. Er hatte noch Sonne, Mond und Sterne, und er sehnte sich in die Zeit zurück, als er noch allein mit ihnen gewesen war, als er keinen Menschen in sein Leben gelassen hatte, kein trojanisches Pferd, das am Ende doch die Saat der Unzuverlässigkeit, der fehlenden Logik, der Affektiertheit entlassen würde. Er würde schnell darüber hinwegkommen. Doch richtig konzentrieren konnte er sich nicht, zudem war er verdammt müde.

Also packte er seine Sachen, löschte das Licht, schloss die Türen. Auf dem Parkplatz, bevor er ins Auto stieg, schaute er noch einmal in den Himmel. Es war eine sternenklare Nacht.

Das vertraute Bild beruhigte ihn, im Geiste ging er die Sternbilder durch und freute sich fast schon kindlich über Jupiter und Saturn, die nahe beieinander standen. Er hatte bisher nur partout kein Gesicht im Mond erkennen können, das hatte auch seine Frau immer verwundert.

Doch jetzt grinste der Mond höhnisch, bewegte sich grundlos in Richtung Saturn, schubste ihn gegen Jupiter und ließ diesen in einem leicht rötlichen Funkenschauer zerstäuben.

Der Astronom begann zu weinen.





11.6.07 20:52


Das Klischee

 

 

Alabasterne Brüste

Herrlich beschienen vom Mond

An einer Meeresküste

Wo die Liebe wohnt.

10.5.07 22:13


Die Mystik des Menschen

-Der Versuch einer rationalen Spiritualität-


Abstract

  1. Mystik

  2. Mystik?

  3. Mystik!

Abstract



In dem vorliegenden Text geht es um die Mystik in ihrem ausschließlich populären und wörtlichen Sinn (vom lateinischen mysticus: unbeschreiblich, unaussprechlich, geheimnisvoll) als das Unerfassbare, das Unerklärbare, das Irrationale und Überreale, nicht in ihrem theologischen Sinn als: „'Mys·tik, die; schwärmerische, ekstatische Form der Religiosität, die durch Hingabe und Versenkung eine Vereinigung mit Gott anstrebt“ (aus: Langenscheidt Fremdwörterbuch). Und es geht um Menschen.. Und um die Beziehung zwischen beiden. Der Titel lässt mehrere Lesarten zu: Zum Einen ist da der Begriff Mystik des Menschen, seine Einstellung zu etwas Mystischem. Zum Anderen ist der Mensch selbst mystisch.

Ich werde mich beidem widmen, doch liegt mein Ziel darin, Gründe aufzuzeigen warum der Mensch nicht mystisch ist bzw. wieso es keine Notwendigkeit der Mystik gibt und diese ein überkommenes Konzept darstellt. Es werden sich Gegensätze herauskristallisieren, die auch von anderen Begriffspaarungen hinreichend bekannt sind (heilig-profan; übernatülich-natürlich; rational-irrational).

Das Credo „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ wird von vielen Menschen geteilt und als tröstlich empfunden. Eine reduktionistische und empirische Weltanschauung wird hingegen oft als kalt, unbefriedigend und nihilistisch gesehen. Ich werde mich also auch bemühen, Aspekte einer tiefgreifend unmystischen Sicht auf unsere Welt aufzuzeigen, die uns ein ebenso großes Gefühl von Geborgenheit vermitteln können – eine Art unmystische Mystik oder Spiritualität.


I. Mystik



Am Anfang war die Mystik – und nicht vorher. Das ist zunächst eine fast triviale Feststellung, so wird niemand leugnen (auch wenn es nicht beweisbar ist), dass der Mensch am Beginn seiner Menschwerdung, sobald er Begriffe und die Muße hatte, diese mit seiner nicht mehr direkt und sinnlich erfassbaren Umwelt in Beziehung zu setzen, d. h. sobald Begriffe untereinander logische Netze bildeten, auf sich selbst verwiesen und abstrakt wurden, viele Begebenheit/Gegebenheiten der realen Welt und besonders die Zusammenhänge zwischen ihnen keine adäquate Entsprechung in der begrifflichen Welt, und damit im Geist des Menschen fanden. Dies ist der Ursprung der Mystik.

Vorallem auf dieser Stufe stellt die Mystik allerdings nicht ausschließlich eine begriffliche „black box“ dar. Das würde die relativ genaue Kenntnis der Beziehung von Ursache und Wirkung voraussetzen, die abschließend nur nicht begrifflich abgebildet werden kann. Vielmehr scheint es so, dass es zu erheblichen Irrtümern kommen kann, sobald man Menschen mit einem unvollkommenen Begriffsystem einer komplexen Umgebung aussetzt. Der Mensch sucht „automatisch“ nach kausalen Zusammenhängen und Regelmäßigkeiten, was zu Fehleinschätzungen bezüglich Korrelation/Kausalität führt und somit Aberglaube bedingt (Als Beispiel seien Regentänze einiger Kulturen genannt). Diese Unterscheidung zwischen Mystik und Aberglaube ist wichtig, da es im Folgenden ausschließlich um Mystik und nicht um den schon konventionell weitestgehend (rational) abgelehnten Aberglauben geht.

Im Lauf der Geschichte der Kultur hat sich nun gezeigt, dass die Entwicklung tendenziell in Richtung Kongruenz von Begriffssystem und Welt geht, was automatisch mit einer Reduktion der mystischen Dimension im menschlichen Denken einhergeht. Warum der Mensch das Bestreben zu einem möglichst wahrheitsgetreuen Bild seiner Umwelt zu haben scheint, können wir nur vermuten. Es sei dahin gestellt, ob es sich um evolutionäre, sozio-kulturelle oder bewusstseinsimmanente Gründe handelt.

Wir stehen, so sagen viele, an einem Punkt dieser Entwicklung, an dem die „klassische“ Mystik ebensowenig Daseinsberechtigung hat wie der Aberglaube. Diese Aussage ist insofern falsch, als dass sie letztendlich nichts als eine Extrapolation der Vergangenheit darstellt, doch solange der Mensch Mensch ist und nicht über- oder unbewusster Teil der Realität, hat seine Erkenntnisfähigkeit Grenzen, die nicht zuletzt auch durch seine Biologie determiniert sind und die sich zwar verrücken, nicht aber aufheben lassen. Wer sich dessen nicht bewusst ist und naiv auf die Allmacht der Wissenschaft setzt, wird die Mystik ganz außerhalb der Welt und damit außerhalb des Begrifflichen ansiedeln. Damit entzieht er sie selbstverständlich der Diskussion ebenso wie einer Grundlage. Denn: Ein ein begriffliches Bewusstsein ist (a.) die Summe seiner Begriffe und hat (b.) einen Begriff für das Unbegriffliche (sic), d. h. etwas un- oder außerbegriffliches (außer-reales) ist nicht nur nicht denkbar sondern auch nicht existent. Ein gedanklicher Prozess ad infinitum...

Unabhängig von diesem „außerweltlichen“ Konzept der Mystik, das jeglicher Diskussionsgrundlage entbehrt, existiert eine Fortführung der bereits erwähnten „klassischen“ Mystik, die ich die „moderne“ Mystik nennen möchte. Sie sagt: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“. Hier beginnt die Mystik also dort, wo die Grenzen des Menschen und seines bisher real-wahren Begriffssystem liegen und endet dort, wo die Grenzen der Realität verlaufen. Sie postuliert ergo einen Bereich innerhalb des Universums, der grundsätzlich und nicht nur dem Menschen unfassbar ist, nicht den „allgemeinegültigen Gesetzen“ unterworfen ist.

Von diesem Bereich und einer alternativen Sichtweise auf ihn ist im folgenden Abschnitt die Rede.

II. Mystik?



Um erstens die Richtung aus der wir die Aufhebung der „modernen“ Mystik angehen zu verdeutlichen und um zweitens die Rolle der Begriffe in diesem Kontext zu erläutern gehe ich exemplarisch vor. Titel des Bildes: Der Mensch als Haufen.

Ein alter Vertreter seiner Art ist das Paradoxon des Haufens. Es geht bis auf Zenon von Elea zurück (um 450 v. Chr.). Der Kern: Wie viele Körner muss ich zu einem Einzelnen hinzugeben, bis ich einen Haufen habe?

Die Auflösung ist recht simpel: Es gibt keine HAUFEN, sondern nur eine so große Zahl an Körnern, dass der Mensch sie nicht mehr als einzelne Elemente wahrnimmt, sondern sie mit einem neuen Begriff verbindet, der sie als ein neues einzelnes Element bezeichnet: Ein Haufen ist geboren.

Diese Betrachtungsweise lässt sich, wie sich zeigen wird, auf eine aktuelle ethische Fragestellung der embryonalen Stammzellenforschung übertragen: Ab wann ist der wachsende Zellhaufen im Mutterleib oder in der Petrischale ein Mensch?

Die Antwort kann man sich nun aussuchen: Entweder war er es schon immer oder er wird es nie sein, denn es existiert keine Grenze, es gibt nur Bereiche in denen die Komplexität so groß ist, dass für uns das Zusammenspiel der Elemente nicht mehr nachvollziehbar ist – ein Mensch ist „geboren“.

Emergenz und ähnliche Phänomene eines komplexen Systems sind bei dieser Überlegung irrelevant – auch wenn sie den Unterscheid zwischen Haufen und Mensch bedeuten -, denn sie resultieren aus den Beziehung zwischen den einzelnen Elementen des Systems und deren Beziehungen und somit mehr oder weniger direkt, jedenfalls auschließlich, aus den Eigenschaften der einzelnen Teile.

Sobald wir all dies annehmen, rauben wir der „modernen“ Mystik ihre Domäne. Um es mathematisch zu sagen: Das Ganze ist tatsächlich mehr als die Summe seiner Teile, aber es ist nicht mehr als ihr Produkt. Dass wir das Resultat als so unabhängig von seinen Teilen betrachten, liegt schlicht daran, dass es unseren epistemologischen Horizont übersteigt und wir es erneut als ein „Teil“ betrachten und nicht mehr als ein Zusammenwirken, so dass dieses eine Teil nun mystisch erscheint (z. B. der Mensch). Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass sich dieses Phänomen nicht nur auf dieser Komplexitätseben abspielt. Ebenso spielt es bei der Interaktion bereits komplexer Strukturen (Menschen) und auch auf niedrigeren Ebenen (auf denen wir allerdings auch schon die Teile vereinfachen, siehe Chemie) eine Rolle. Notwendigerweise sind die menschengemachten Begriffssysteme/Abbildungen dieser Prozesse von einer bestimmten Qualität und werden somit, je höher der Grad der Komplexität ist, unpräziser. Ab dem Punkt, der die Grenze zur (bisherigen?) totalen Nicht-Erkenntnis darstellt, greift die „moderne“ Mystik – oder die Erkenntnis der Disparität ziwschen Realität und Idee. Es ist mir bis hierhin hoffentlich gelungen, ersteres durch letzteres zu ersetzen.

III. Mystik!


Mystik hat nicht ausschließlich etwas mit der begrenzten Erkenntnisfähigkeit des Menschen zu tun, sondern, wie bereits in der Einleitung angedeutet, auch mit Spiritualität und Trost.

Ein komplett logisches und rationales Weltbild lässt diese Dimension oft vermissen und vergisst dabei, dass wir Menschen sind und es auch trotz Erkenntnis bleiben (werden). Die Notwendigkeit einer Ethik bleibt bestehen. Das Essay trägt den Untertitel „Der Versuch einer rationalen Spiritualität“ und dem wäre nicht genüge getan wenn ich auf elegante Weise dem Menschen den spirituellen Boden unter den Füßen wegziehen würde. Das Potenzial zu einer mächtigeren Spiritualität als es die „moderne“ Mystik bieten kann ist jedenfalls gegeben, denn der Ansatz ersetzt nicht nur die bisherige Mystik, sondern lässt sich auch mit dem bisher genauesten Modell unserer Wirklichkeit vereinen, d. h. er würde nicht durch die fortschreitende Erkenntnis der Welt zurückgedrängt, sondern gestützt. Wo also liegt die Spiritualität bzw. die eingangs erwähnte nicht-mystische Mystik? Ich sehe hier, unabhängig von der potenziellen intuitiven Akzeptanz, einige Möglichkeiten.

Zum Einen bedeutet der Ansatz, dass wir selbst – jeder einzelne – so komplexe Ganzheiten sind (wenn man sich nicht von der Korn- sondern von der Haufenseite nähert), dass wir sie nicht verstehen. Zum anderen aber sind diese Ganzheiten (von der Kornseite) selbst Teile eines größeren Ganzen und zugleich bestehen sie selbst in mehrfacher Schichtung aus kleineren Teilen. Man könnte es für ein Wunder halten. Und, um mit Lessing zu sprechen, dieses Wunder ist umso wunderbarer, als dass es nicht mystisch bzw. übernatürlich ist.

Wo liegt das Wunderbare und Beeindruckende wenn irgendeine Macht quasi willkürlich die Komplexität erschafft? So hätte man Respekt vor dieser Macht, aber nicht direkt vor dem Universum und dem Leben. Viel Leid ist aus diesen falsch gewählten Prioritäten erwachsen.

Das Wunder ist es, dass im Kleinsten das Größte liegt, dass aus dem Einfachen das Komplizierte entsteht.

Das Wunder des Universums ist es, dass alles seinen Platz hat. Und zwar nicht von einem Bewusstsein erteilt, sondern in der Sache selbst liegend.


1.5.07 17:55


ins lesebuch für die oberstufe

Hans Magnus Enzensberger:

ins lesebuch für die oberstufe

 lies keine oden, mein sohn, lies die fahrpläne:
sie sind genauer. roll die seekarten auf,
eh es zu spät ist. sei wachsam, sing nicht.
der tag kommt, wo sie wieder listen ans tor
schlagen und malen den neinsagern auf die brust
zinken. lern unerkannt gehn, lern mehr als ich:
das viertel wechseln, den pass, das gesicht.
versteh dich auf den kleinen verrat,
die tägliche schmutzige rettung. nützlich
sind die enzykliken zum feueranzünden,
die manifeste: butter einzuwickeln und salz
für die wehrlosen. wut und geduld sind nötig,
in die lungen der macht zu blasen
den feinen tödlichen staub, gemahlen
von denen, die viel gelernt haben,
die genau sind, von dir.

 

Antwortgedicht.


Also sprach der Unbelehrbare

deine generation - ein scherbenhaufen: das fenster zerbrochen, die stücke verstreut.
deine seele - ein staubiger flickenteppich: zerissen von fehlenden scherben, geflickt mit lügen.
dein rat - eine lüge: die schuld aller zu sühnen.

Natürlich, nur die menschgemachten Ideale verrietest du.
Natürlich, nur zum schein warst du teil Ihrer.
Natürlich, sie hätten sonst auch dich zerstäubt.

Doch immerhin dich.
Doch das wolltest du nicht.
Doch wir wollen die schmach nicht weitertragen.

Wir kämpfen genug mit eurem Erbe.
Der Staub ist die Asche von Toten.
Wir kämpfen genug mit uns selbst.
Der Staub tötet auch uns.

Aber wir werden kämpfen!
Und sie werden nicht mit uns husten, sondern bluten.

 

23.4.07 20:51


Vier Zeilen

bei tageslicht gesehen
Wirkst Du zwar wunderschön
doch erst in der nacht
entfaltet Deine Wirkung ihre macht.
14.3.07 00:15


Bekenntnisse eines Sex-Maniacs.

Ich weiß zwar nicht was Liebe ist,
doch ficken kann ich gut.
Hab schließlich das gemacht,
was sich zu machen lohnen tut.
Hatte diese, hatte jene
machte auch schon ganze verbotne, üble, Dinge.
Nahm von Oben und von Hinten
von der Seite und von Unten
Nahm Mädchen bei der Hand
und führte sie an Orte
Und - nein - nicht nur in diesem Land:
oft fehlten mir die Worte!
Kurzum, ich bin ein Lebemann,
ein Gigolo, ein Kombattant:
-erfahren im Kampfe mit der Lanze
-geschickt beim erobern fremder Länder
Ich bin die Galaxie, die sich um ein Schwarzes Loch im Zentrum dreht.
Doch wie auch dort, so ist es hier
ein Streben ohne Leben.
Ich sähe viel doch ernte nichts
in mir herrscht so schon Leere
Es scheint kein Schimmer diesen Lichts
das leuchtet  - - -
    allen Fühlenden.
14.3.07 00:16


Liebe

Gib mir Macht, gib mir Regeln
gib mir Kraft und gib mir Spaß.
Denn das alles will ich haben
allen ausser dir entsagen
Gib mir endlich deine Gaben!
14.3.07 00:14


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